Caritas-Spiritualiät
Caritas-Spiritualität ist kein klar definierter Begriff. Darum möchte ich hier keine allgemeingültige Definition liefern, sondern skizzieren, wie ich als zuständiger Referent diesen Begriff verstehe – und wie ich die von mir verantworteten Angebote aus diesem Verständnis heraus gestalte.
Caritas ist für mich mehr als Nächstenliebe oder sozialer Dienst. Sie gründet in der Erfahrung einer Liebe („Caritas“) , die uns Menschen – ja der ganzen Schöpfung – innewohnt: der Erfahrung, bedingungslos angenommen zu sein, der Erfahrung: Ich bin wert-voll, so wie ich bin. Die biblische Schöpfungserzählung umschreibt dies mit den Worten „Gott sah, dass es gut war.“ (Gen 1,10).
Wenn ich von „Gott“ spreche, dann im Bewusstsein, dass dieses Wort für viele fremd oder leer geworden ist. Für mich als Christ ist es „nur“ eine Chiffre für das Geheimnis unseres Lebens – für das, was sich letztlich nicht in Worte fassen lässt.
Wer eine solche Erfahrung von Liebe und Annahme – ohne Vorleistung, ohne Bedingung – gemacht hat, wird sie weitergeben wollen. Die evangelische Theologin Dorothee Sölle, der ich mich sehr verbunden fühle, sprach in diesem Zusammenhang von „Heilung“ oder von konstruktivem „Widerstand“ gegen ungerechte Lebensverhältnisse. Man könnte auch schlicht sagen: gelebte Nächstenliebe – Caritas.
Im konkreten sozialen Handeln geschieht dabei etwas Entscheidendes: Wer sich einem hilfesuchenden Menschen zuwendet, kann selbst neu jene Annahme erfahren, die ihn oder sie bewegt. Im Evangelium nach Matthäus heißt es: „Was ihr für einen meiner Brüder oder eine meiner Schwestern getan habt – und wenn sie noch so unbedeutend sind –, das habt ihr für mich getan.“ (Mt 25,40, Übersetzung Basis-Bibel)
Caritas-Spiritualität bedeutet für mich daher, immer wieder neu ein Bewusstsein dafür zu gewinnen, was unser Leben im Innersten trägt – und uns antreibt, einzutreten für andere, für mehr Gerechtigkeit und für die Bewahrung der Schöpfung, zu der wir selbst gehören.
Wie jede*r einzelne diese Urerfahrung beschreibt, ob sie*er dabei von Gott oder Jesus spricht, die Bibel zur Hand nimmt, oder ganz andere Worte und Erzählungen verwendet, bleibt jeder*m selbst überlassen. Entscheidend ist, dass sie lebendig wird und ins Handeln führt.
© Ansgar Biller, 17.02.2026









