18.04.2024
Unser Referent*innen-Team stellt sich im Rahmen einer Interviewreihe vor. Im Folgenden beantwortet unser Direktor, Ekkehart Bechinger, die zehn Fragen. Er gibt ein wenig Einblick in seine spirituelle Perspektive und Privates. Viel Freude beim Lesen.

Was ist Ihr Lieblingsort?
Als gebürtiger Konstanzer ist mir der Bodensee Heimat geblieben. Auch wenn ich seit vielen Jahren nur noch zu Besuch dort bin, oder vielleicht auch gerade deswegen? Zu jeder Jahreszeit und bei jedem Wetter hat der See eine große Wirkung auf mich, schenkt er mir das Gefühl von Weite und Bei-mir-Sein gleichermaßen.
Welche Momente in Ihrer Arbeit lassen Ihr Herz höherschlagen?
In unseren Kursen den Teilnehmenden Lernwege anzubieten und wesentliche Erfahrungen und Entwicklungen teilen zu dürfen – das bewegt mich sehr, gibt mir und meiner Arbeit Sinn, Kraft und Motivation.
Meine Lieblingsgestalt aus der Bibel?
Abraham - weil er der Stimme Gottes folgt und den Schritt ins Unbekannte wagt; Elija – der Aggression und Depression hinter sich lässt und zu einem kontemplativen Menschen wird; Petrus – der Jesus so hingebungsvoll zur Seite stehen will, an seiner Begrenztheit scheitert und dennoch von Gott so groß gemacht wird. Diese Reihe von profilierten Gottsucherinnen und Gottsuchern, die immer auch sehr menschlich blieben, ließe sich fortsetzen – sie alle beeindrucken mich.
Welche Person aus der Geschichte der Spiritualität gibt Ihnen Orientierung?
Benedikt von Nursia ist für mich eine wegweisende Gestalt. Sein eigenes Leben kann ich als geistlichen Reifungsweg lesen, der mich lehrt, was es heißt „bei sich zu wohnen“. Seine Ordensregel ist eine schier unerschöpfliche Quelle für das eigene geistliche Leben und das Zusammenleben in Gemeinschaft – und das längst nicht nur für Ordensleute.
Was ist für Sie das drängendste Problem von Kirche und/oder Theologie der Gegenwart?
Nach innen: Das wahrnehmbare Misstrauen innerhalb kirchlicher Akteure und Strukturen verhindern Dialog und gemeinsames, ernsthaftes Ringen um Lösungen. Nach außen: Der Beitrag, den Theologien und Kirchen zur Gestaltung des Zusammenlebens in der Gesellschaft und deren Fragen beitragen können, geht dadurch immer mehr verloren – dies widerspricht dem Auftrag des Evangeliums.
Wer ist Ihr Lieblingsdichter,-schriftsteller – Ihre Lieblingsdichterin, -schriftstellerin?
Da möchte ich mich nicht festlegen – es gibt so viel zu entdecken. Mehrheitlich lese ich Literatur der Gegenwart. Zwei schöne Entdeckungen aus der letzten Zeit waren die Gedichte von Michael Krüger und Walle Sayer.
Wann waren Sie zuletzt im Kino, Theater oder Konzert? Was haben Sie gesehen bzw. gehört?
Musikalisch konnte ich kürzlich ein Wochenende mit zwei sehr gegensätzlichen Konzerten erleben: am ersten Abend ein mitreißendes Rockkonzert voller Energie, Spielfreude und Spontaneität. Am Abend darauf Bachs Johannespassion: in seiner Strenge, Konzentration und Dynamik ein tiefgehendes Erlebnis. Beide Konzerte auf ihre Weise großartig und für mich wieder einmal der Beleg, dass die Unterscheidung von sogenannter E-Musik und U-Musik wenig Sinn macht.
Welches Buch lesen Sie gerade?
„In jeden Fluss mündet ein Meer“ von José F.A. Oliver. Der in Hausach geborene und lebende Schriftsteller schreibt über Leben im Unterwegssein, das Bleiben wie das Aufbrechen. Er spielt dabei in ganz eigener, origineller Weise mit Worten und Schreibweisen.
Was hat Sie in letzter Zeit zum Staunen gebracht?
Das Wandern auf dem Westweg hat mir noch unbekannte Seiten des Schwarzwaldes gezeigt. Wie sich Landschaftsbilder oft schon nach kurzen Strecken verändern und wie der Wechsel des Tageslichtes Wälder, Berge und Wiesen jeweils neu aufscheinen lassen – da war oft großes Staunen!
An welchen Orten / in welchen Situationen haben Sie eine Ahnung von Gott bekommen,
obwohl Sie es nicht erwartet hätten?
obwohl Sie es nicht erwartet hätten?
Es ereignete sich während Straßenexerzitien. Ich war in einer fremden Stadt und wählte als Ausgangspunkt die Fußgängerzone. Beim Versuch an der Straßenbahnhaltestelle einen Fahrschein zu ziehen, hatte der Automat meine ec-Karte nicht mehr herausgegeben. Ein echtes worst-case-Szenario. Es folgten mehrere (!) Stunden des verzweifelten Wartens auf Hilfe, des Vertröstet werdens der regelmäßig vorbeifahrenden Straßenbahnführer („Ich habe in der Zentrale Bescheid gegeben, da kommt gleich jemand…“). Meine Stimmung wechselte von Ungeduld, Verzweiflung, Panik bis zu großem Ärger. Nach langer Zeit kam ein Betriebsmitarbeiter, befreite die Karte mit wenigen Handgriffen und nahm mich, als Form der Entschuldigung, in seinem Auto mit. Wir kamen ins Gespräch und über ein eher beiläufiges Stichwort erzählte er mir sehr persönlich von seinen Sorgen um seine Familie. Wir waren schon längst am Ziel angekommen, saßen aber immer noch im Auto und unterhielten uns. Dann verabschiedeten wir uns. Ich habe dem Auto noch länger hinterhergeschaut und wusste mit dem Satz von Madeleine Delbrel etwas anzufangen: „Geht hinaus ohne vorgefasste Ideen,…und wisst, dass Gott unterwegs zu finden ist…“.









