Bei der Diözesanwallfahrt zeigte sich: Die Erzdiözesen Freiburg und Tschenstochau sind vielfältig verbunden
Nicht wenige waren überrascht, als sie feststellten, dass bei der Weihe von Robert Zollitsch im Juli 2002 auch der Erzbischof von Tschenstochau, Stanislaw Nowak, als Gast mit dabei war. Doch bald war klar: Das ist ein wirklicher Freundschaftsbesuch. Beide, Robert Zollitsch und Stanislaw Nowak, kennen sich seit Jahrzehnten und wissen sich herzlich verbunden. Was in den letzten Jahrzehnten gewachsen ist an Beziehung und Freundschaft zwischen Deutschland und Polen, dafür geben diese beiden Bischöfe ein gutes Beispiel.
Doch die Beziehung zwischen Freiburg und Tschenstochau geht weit über die Freundschaft der beiden Bischöfe hinaus. Vor einigen Jahren entdeckte Joseph Sauer, der damalige Direktor des Geistlichen Zentrums, dass die polnische Diözese dabei ist, ein ganz verwandtes Projekt aufzubauen, ebenfalls ein Geistliches Zentrum. Wenn auch die volkskirchlichen Strukturen in Polen weit stärker sind als in Deutschland, weiß man doch auch dort um die Notwendigkeit, in einer immer pluralistischer werdenden Gesellschaft, Orte zu schaffen, in denen die spirituelle Dimension des Glaubens intensiv gepflegt, eingeübt und vor allem auch theologisch bedacht wird. So kam eine Partnerschaft zustande, die sich rasch sehr lebendig entwickelte.
Mit der Schließung des Geistlichen Zentrums in Sasbach und dem Neubeginn in St. Peter stellte sich aber die Frage, wie es weitergehen würde und wer die Partnerschaft neu tragen könne. Und nun fügte sich ein weiterer Stein in das Mosaik der Beziehungen zwischen Tschenstochau und Freiburg ein: In diesem Jahr übernahm der Paulinerorden, dessen Mutterkloster mit seiner weltberühmten „schwarzen Madonna“ in Tschenstochau beheimatet ist, die Seelsorge in St. Peter. Pater Martin Greiner, der erste deutsch Pauliner, in Todtmoos geboren, ist der neue Pfarrer. Mit ihm zusammen lebt Pater Roman, der lange Jahre Pfarrer von St. Märgen war und nun in Stegen wirkt. Seit Jahren schon begleitet er Gruppen nach in die polnische Stadt.
Was lag also näher, dass Domkapitular Dr. Peter Kohl ihn bat, die diesjährige Diözesanwallfahrt nach Tschenstochau zusammen mit ihm zu begleiten und er den neu amtierenden Direktor des Geistlichen Zentrums, Dr. Arno Zahlauer auch gleich mitnahm, sodass sich nun alle Fäden der Verbundenheit zusammenknüpfen ließen?
Erzbischof Stanislaw Nowak war hocherfreut. Er ließ es sich nicht nehmen, alle Wallfahrer persönlich im Geistlichen Zentrum persönlich zu begrüßen und mit ihnen Eucharistie zu feiern. In seiner Predigt erinnerte er an das Wunder, dass nun Freundschaft und Liebe zwischen denen möglich sei, die noch vor wenigen Jahrzehnten unter brutalster Feindschaft zu leiden gehabt hatten. Domkapitular Kohl überbrachte alle guten Wünsche aus Freiburg, und versicherte, dass alle Formen der Versöhnungsarbeit Unterstüzuung finden würden. Die beiden Direktoren der Geistlichen Zentren schließlich erneuerten die Freundschaft. Sie zeigten sich voller Hoffnung, damit einen Rahmen für viele weitere fruchtbare Begegnungen bieten zu können. Gerade die unterschiedlichen spirituellen Prägungen der deutschen und polnischen Kirche hätten ein großes Potential für gegenseitige Ergänzungen und Bereicherungen.